Mit SunJeong Hwang, Stephanie Castonguay und NKISI verschiebt dieser Abend den Fokus vom Werk auf den Prozess. Statt als fertiges Produkt erscheint Klang hier als Bewegung zwischen Material, Technologie und Erinnerung – fragil, durchlässig, offen.
Elektronische Medien werden nicht als abstrakte Oberfläche behandelt, sondern in ihrer stofflichen und ökologischen Bedingtheit freigelegt. Zerfallende Tonträger, gehackte Apparaturen, hybride Interfaces und Archive aus Field Recordings machen hör und sichtbar, dass jede digitale Praxis auf konkreten Ressourcen, Entscheidungen und Machtverhältnissen beruht. Technik wird dabei nicht neutral gedacht, sondern als Träger von Geschichte, Auswahl und Ausschluss.
Gleichzeitig wird das Konzert selbst zur Versuchsanordnung. Gemeinsames Hören als prozessuales Geschehen im Raum. Artefakte, Störungen und vermeintliche Fehler werden produktiv, als Brüche im System, als Hinweise auf das, was sonst überdeckt bleibt. Zwischen Noise, polyrhythmischen Strukturen, improvisatorischer Offenheit und sensibler Signalverarbeitung entsteht ein dichtes Geflecht, das sich im Moment formt und gleich wieder entzieht.
Ein Abend über die Materialität elektronischer Klänge, über das Archiv als umkämpften Speicher und über das Hören als bewusste Praxis in einer technologisch geprägten Gegenwart, getragen von zwei benachbarten Spielorten, die seit Jahren mit eigenständigen anspruchsvollen Programmen das Musikgeschehen in Essen prägen.